"Bier ist Menschenwerk, Wein aber ist von Gott!", so soll Martin Luther gesagt haben. Seit Urzeiten gilt Wein als edles Getränk, das weit über seine berauschende Wirkung hinaus für erlesenen Lebensgenuss steht. Viele Dichter haben den Wein besungen, haben seine Wirkung als glücks- und lebensstiftend, als Sorgenbrecher und Zufluchtsort vor dem irdischen Jammer verklärt. Weinkenner in aller Welt tun es den Dichtern gleich: Sie haben ihre ganz eigene Sprache, die an Bildlichkeit die der Dichter fast noch übertrifft.
 

Warum schmeckt und riecht also
ein edler Tropfen Traubensaft nach Mandeln, Pfirsich, Johannisbeeren, nach Kreide, Sandelholz oder gar Teer? Wein enthält eine Vielzahl von aromatischen Substanzen, aus den Trauben, aus dem Gär- und Reifprozess. Diese geschmackliche Komplexität treibt unser Gehirn dazu, Parallelen zu anderen ihm bekannten markanten Geschmacks- und Geruchsqualitäten zu ziehen.

Diese Fähigkeit feine Nuancen bewusst wahrzunehmen
ist trainierbar: Zu echtem Weingenuss gehört ein Stück Kennerschaft. Schließlich muss man es bei der ungeheuer großen Auswahl erst einmal schaffen, den Wein zu finden, der einem dann auch wirklich schmeckt: Rebsorte, Lage und Jahrgang sagen bereits eine Menge über den Geschmack eines Weines aus. Hier pauschal Ratschläge zu erteilen, macht wenig Sinn: Geschmack ist eben subjektiv. Es hilft nur probieren, so dass man nach und nach lernt, welche Rebsorten, welche Anbauregionen und schließlich welche Lagen und Jahrgänge einem besonders zusagen.

Wichtig ist auch zu wissen,
welcher Wein zu welchem Essen passt. Hier nur ein paar Grundregeln:
Zu weißem Fleisch – Weißwein,
zu dunklem Fleisch – Rotwein.
Zu Süßspeisen oder Desserts – liebliche oder süße Weine
und als Aperitif – leichte säurebetonte Weine.

Nicht nur durch seine Vielfalt an Sorten und Geschmacksrichtungen
sticht das Getränk Wein hervor, auch seine Geschichte ist außergewöhnlich lang: Bei Damaskus wurde eine 8000 Jahre alte Wein- und Fruchtpresse gefunden. Bereits das Alte Testament erwähnt Wein. Noch älter ist allerdings eine Passage aus dem Codex Hammurabi, der ältesten überlieferten Gesetzessammlung aus dem alten Babylon (um 1700 v. Chr.). Dort wird der Wein "eine der kostbarsten Gaben der Erde" genannt.

Auch aus dem alten Ägypten sind Wein-Amphoren erhalten,
die bereits mit Lage und Jahrgang beschriftet sind: Offensichtlich gab es bereits eine Weinkultur, die der unseren nichts nachsteht. Zusätzlich fand sich auf den Amphoren auch der Name des verantwortlichen Kellermeisters. Ob man sich wohl bei Kopfschmerz am nächsten Tag an ihn gewandt hat?

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